Der Marionettenmacher von Lindau

„Puppen spielen ist das einzige, das ich in meinem Leben machen will.“ Der Marionettenmacher von Lindau lebt seine Berufung. Bernhard haucht „Holzköpfen“ Gefühle ein und erweckt sie auf der Bühne zum Leben.

Ich mit Hauptdarstellerin Violetta aus der Marionettenoper Lindau

Ist es nicht schön, verliebt zu sein? Bin ich. In eine „Frau“, deren Leben im wahrsten Sinne des Wortes am seidenen Faden hängt? In eine Holzpuppe mit Tuberkulose? Während mein Liebeshimmel voller Geigen hängt, hängt der Himmel in der Lindauer Marionettenoper voller Puppenschuhe und -schirme.

Hat was von Gruselkabinett

Die Schirme sind für die hölzernen Darsteller

Im Video-Interview erzählt Bernhard in nur 100 Sekunden, wie Puppenspielen einst zu seiner Leidenschaft wird und welche Stücke das Marionettentheater in Lindau aufführt.

Video-Interview: Marionettenmacher

Während ich Bernhard kurz vor der Aufführung von „La Traviata“ hinter die Kulissen begleite, ziehe ich Vergleiche zu einer Sportmannschaft. Marionetten und Marionettenmannschaft bringen sich fürs Warm-up in Stellung. Es wirkt verdammt menschlich, wie die Puppen sich für ihre Rollen warmtanzen.

Ich habe Rücken!

Auch bei den menschlichen Protagonisten ist Vorbereitung alles: „Vor der Aufführung essen wir sicherheitshalber nichts, sonst öhm ja…“ Prost Mahlzeit! 🙂 Bernhards typische Arbeitshaltung löst bei mir schon nach wenigen Sekunden Rücken aus. „Nach 2,5 Stunden bin ich körperlich durch.“

Bernhard bückt

Im Gegensatz zu Sportlern rücken der Marionettenmacher und seine bis zu acht Mitspieler erst kurz vor Anpfiff an. „Ich bin schon zum Aufbau im Theater. Wir brauchen etwa 1,5 Stunden, bis ein Stück steht. Die anderen Puppenspieler kommen erst eine halbe Stunde vor dem Start, und dann stimmen wir quasi unser ‚Instrument‘.“

Bernhard lebt und liebt seine Puppenjob

Home Office mal anders. „Mein Hauptarbeitsplatz ist die Werkstatt daheim“, so Bernhard. Dort entwirft, fertigt und verfeinert er die Hauptdarsteller der Lindauer Marionettenoper. Ich räume den Backstage-Bereich. Gleich geht es los. La Traviata. 150 Minuten schwere Kost. Und das auf italienisch. 🙂

Zu-ga-be, Zuh-gah-be!

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Die Operngäste jubeln laut nach der Vorstellung. Meine Nebensitzerin, eine ältere Dame in einem elegant roten Mantel und mit großer Hipsterbrille, flippt völlig aus. „Ich bin so glücklich.“ Ich freue mich mit ihr. Abtritt Marionetten, Auftritt Bernhard.

Zugabe vom Marionettenmacher

Nach jeder Show führt der Marionettenmacher das Publikum hinter die Bühne und zeigt den Puppenfans ihre Stars. Gefällt mir. Erster erstaunter Eindruck der Gäste: „Die Puppen wirken von weitem viel größer.“ Rund 65 cm groß sind Bernhards „Spielzeuge“, und sie hängen an acht Fäden und drei Drähten.

Die Lindauer Marionettenoper ist in ihrer Form einzigartig in Deutschland. Seit 2000 befindet sie sich im ehemaligen Konzertsaal des Stadttheaters. Der Spielplan bietet dir fast täglich und fast das ganze Jahr über Vorstellungen. Mit dabei sind Märchen wie Hänsel und Gretel, Ballette wie Schwanensee sowie Operetten wie „Im weissen Rössl“. Tickets erhälst du schon ab 15 Euro.

Fazit Marionettenmacher

Dass man Marionetten irgendwie immer mit der Augsburger Puppenkiste in Verbindung bringt, liegt auf der Hand. Kennt halt jeder. Deshalb hat auch die Arbeit des Marionettenmachers teilweise einen (ungewollt) humoristischen Touch. Trotzdem vergesse ich an manchen Stellen tatsächlich, dass es sich bei den Darstellern „nur“ um Puppen handelt. Spätestens als die hölzerne Herzdame Violetta meine Liebe nicht erwidert, bin ich zurück auf dem (Holz-)Boden der Realität. 🙂

Mein Tipp: Plane für deinen Urlaub am Bodensee unbedingt eine Städtereise in Lindau ein. Streng genommen wäre das keine Städte- sondern eine Inselreise, denn die sogenannte Insel- und Gartenstadt nennt sich Lindau im Bodensee. Solltest du around Konstanz sein, dann empfehle ich dir eine Schiffsrundfahrt. Vielleicht ist Rocco ja dein Schiffsführer, nicht dein Kapitän.

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