Jüdisches Museum Berlin

Ich mag Berlin und seine Sehenswürdigkeiten. Hier erlebst du lebendige (deutsche) Geschichte an fast jeder Ecke. Eine dieser Ecken ist das Jüdische Museum, auch wenn du da mit viel guter Laune hingehen solltest.

Holoucaust Turm im Jüdischen Museum

Nein, er ist kein Nachbau einer Gaskammer, um Besuchern das Gefühl dieser grausamen Mordvariante erlebbar zu machen. Dennoch vermittelt der 24 Meter hohe Holocaust-Turm kein Hurra-Gefühl. Soll er auch nicht. Im Inneren ist dunkel, kalt und erdrückend. Der Holocaust-Turm bildet dein Ende der sogenannten „Achse des Exils“.

Jüdisches Museum zum Anhören

Auf jener Achse erlebst du anhand von Briefen, Familienfotos und Haushaltsgegenständen echte Geschichten und Bilder von Verfolgung, Ausgrenzung und Flucht. Eines der bekanntesten Schicksale ist das von Margarete Sachs, Mutter der späteren Nobelpreisträgerin Nelly Sachs. Sie flüchtet 1940 mit Klein-Nelly in einem der letzten Passagierflugzeuge von Berlin nach Stockholm.

Star-Architekt Daniel Libeskind entwirft Ende der 80er den grauen Neubau des Jüdischen Museums. Wichtige Architektur-Elemente sind die sogenannten „Voids“ – leere Räume, die sich durch das ganze Gebäude ziehen. Einen ganz besonderen Void zeige ich dir etwas weiter unten. „Voids“ erinnern an Leerstellen, die der Holocaust in Deutschland hinterlässt.

Garten des Exils

Ein Garten ist ja an sich was Schönes: Er ist bunt, riecht gut und entspannt die geplagte Seele. Der sogenannte „Garten des Exils“ im Jüdischen Museum liefert dir genau das Gegenteil: Er ist grau, riecht nach Beton und wirkt beklemmend. So ist es gedacht, und so fühlt es sich auch an.

Du sollst im Garten die Erfahrung des Exils hautnah erfahren. Durch den schiefen Boden taumelst du durch die bedrückenden, sechs Meter hohen Betonstelen. 49 von ihnen sorgen für Unsicherheit und Desorientierung. Die Zahl 49 steht (im Judentum) für die heilige Zahl 7 (7×7=49).

Gefallenes Laub

Es ist verdammt still, die Luft schmeckt metallisch und durch ein kleines Viereck kommt von oben Licht in den Raum. Es ist die einzige Tageslichtquelle. Im „Memory Void“ erlebst du die Installation „Schalechet – Gefallenes Laub“ des israelischen Künstlers Menashe Kadishman. Mehr als 10.000 runde Metallfratzen starren mich an. Gruselig.

Die Blechgesichter sollen an die im Holocaust ermordeten Juden erinnern. Außerdem ist es unmöglich, sich leise durch den Raum zu bewegen. Deine Schritte über die Gesichter erzeugen ein metallisches Knirschen und geben so jedem Opfer eine Stimme. In der Ecke sitzen (Kunst-)Studenten, die in der Stille des Raumes Bleistiftzeichnungen anfertigen. Unwirkliches Szenario!

Preise und Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind gut zu merken: täglich von 10 bis 20 Uhr. Für deinen Besuch, und um dich entsprechend auf die Materie einzulassen, solltest du etwa drei Stunden einplanen. Dafür zahlst du als Erwachsener acht Euro Eintritt, Ermäßigte kommen für drei Öcken rein. Die Eintrittspreise halte ich für angemessen. Mit der Berlin Welcome Card gibt’s freien Eintritt, Führungen finden täglich statt.

Zur Anfahrt empfehle ich dir die U-Bahn. Mit der Linie U6 bist du bspw. von der Haltestelle „Kochstraße/Checkpoint Charlie“ in nur fünf Fußminuten in der Lindenstraße 9 in Kreuzberg (ab Hauptbahnhof insgesamt ca. 20 min). Der Eingang ist im Kollegienhaus, dem ehemaligen stadtgeschichtlichen „Berlin Museum“. Direkt nebendran ist der zickzack-graue Libeskind-Bau mit den oben beschriebenen Voids.

Update: Die Dauerausstellung wird seit Ende 2017 umgebaut und ist deshalb geschlossen. Im Frühjahr 2020 ist die Wiedereröffnung des Neubaus im Jüdischen Museum geplant. Außerdem übernimmt die Niederländerin Hetty Berg ab April 2020 die Führung des Museums von Direktor Peter Schäfer, der während seiner „Amtszeit“ für den einen und anderen Aufreger sorgt.

Bewertung Jüdisches Museum Berlin

Ich mag persönliche Geschichten, vor allem menschliche Schicksale rund um Trennung, Flucht, Trauer und Wiedervereinigung. Im Jüdischen Museum in Berlin bekommst du die volle Portion von allem serviert. Durch die düstere Atmosphäre im Libeskind-Teil wirkt das Szenario noch „besser“, wenn man bei dem Thema überhaupt von gut und besser sprechen kann. Wichtig an einem Museum finde ich, wenn es wirkt und was in dir hinterlässt. Das ist hier (bei mir) der Fall. Gut drauf sein solltest du vor deinem Besuch trotzdem. 🙂

Mein Tipp: Falls du dich für die Geschichte der Juden in Deutschland und Jerusalem bzw. das Gedenken daran interessierst, dann lies diesen Blogartikel zum Berliner Holocaust-Mahnmal. Warum ich mich als deutscher „Tourist“ schäme.

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