Felix-Nussbaum-Museum Osnabrück

„Wenn ich untergehe, lasst meine Bilder nicht untergehen, stellt sie aus“, sollen Nussbaums letzte Worte in Sicherheit gewesen sein. Im Felix-Nussbaum-Museum in Osnabrück nimmst du an seinem bewegten Leben teil.

Eingang und langer Korridor

Büste des Malers Felix Nussbaum

Der jüdische Maler Felix Nussbaum hat ein Schicksal, das die perfekte Drehbuchvorlage für einen Kinofilm wäre. Am 2. August 1944 sitzen er und seine Frau Felka mit mehr als 500 anderen Juden im letzten Transport ins KZ Auschwitz. Kurz vor der Befreiung des Lagers stirbt er im Alter von etwa 40 Jahren, genaues Todesdatum unbekannt.

Künstlerisch verarbeitet

Felix Nussbaum verarbeitet den Holocaust sowie sein Leben in Unterdrückung wie kaum ein anderer Künstler seiner Zeit in den Bildern, die du im Felix Nussbaum Museum besichtigen kannst. Klassiker ist sein Selbstporträt (zweites Foto). Mit rund 200 Werken ist die Sammlung die weltweit größte ihrer Art.

Dauerausstellung im Felix Nussbaum Museum

Selbstporträt von Felix Nussbaum

Angstauslöser

Der Tod wartet auch auf dem Weg zur Garderobe

Sein berühmtester Output ist das Gemälde „Triumph des Todes (Die Gerippe spielen zum Tanz)“ von 1944, seinem letzten Jahr in „Freiheit“. Es gilt als sein letztes Werk und künstlerisches Testament. Sehr beeindruckendes Bild, mit vielen skurrilen Elementen, das ich dir hier leider nicht zeige. Sorry.

Daniel Libeskind

Kaum zu übersehen ist die Handschrift des amerikanisch-jüdischen Architekten Daniel Libeskind, der 1989 auch den Anbau des Jüdischen Museums in Berlin entwirft (> zum Blogartikel über das Mahnmal). Das Felix Nussbaum Museum – offiziell Felix-Nussbaum-Haus – ist das erste Gebäude überhaupt, das Libeskind erbaut und selbst eröffnet.

Treppenhaus im Felix-Nussbaum-Museum

Gänge im Stile von Daniel Libeskind

Es ist kühl, es ist grau, es ist düster. Libeskind schafft es ziemlich beeindruckend, die Architektur des Museums eng mit Leben und Tod von Felix Nussbaum zu „verräumlichen“. Besonderheit bei Libeskind sind sogenannte Voids: leere Räume, die die physischen Leerstellen nach der Vernichtung der Juden symbolisieren. Geht an Herz und Nieren.

Sonderausstellungen

Leichtere Kost bieten dir die Sonderausstellungen im Felix-Nussbaum-Museum. Hier siehst du einige Stücke aus der damaligen Sonderausstellung, die mit ihrer poppigen Leichtigkeit im krassen Gegensatz zur schwer verdaulichen Dauerausstellung steht. Preise fürs Nussbaum-Museum: 5 Euro/Erw., Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei. Führungen durchs Museums finden samstags, sonntags und feiertags um 14 Uhr statt. Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr.

Eine Sonderausstellung im Felix Nussbaum Haus

Stuhlhang statt Stuhlgang

Wer kennt noch die PEZ Spender?

Anreise und Lage

Bei deiner Städtereise Osnabrück kommst du – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht am Nussbaum-Haus vorbei: Es befindet sich direkt am Rande der Osnabrücker Altstadt am Heger-Tor-Wall. Adresse: Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück. Parken kannst du für 1,50 Euro pro Stunde im 150 Meter entfernten Stadthaus-Parkhaus. Dann läuft’s.

Bewertung Felix-Nussbaum-Museum

Die Deutsche Geschichte ist für mich persönlich ein zweischneidiges Schwert: Einerseits wird Altbekanntes bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet, andererseits ist es genau so ein Schicksal wie das des gebürtigen Osnabrückers Felix Nussbaum, das Geschichte lebendig macht und einen für gegenwärtige Geschehnisse sensibilisiert. Das Felix Nussbaum Museum überrascht mich inhaltlich und architektonisch. Was will man von einem Museum mehr? „Lasst seine Bilder nicht untergehen, stellt sie aus!“

Wo du deutsche Vergangenheit auch verdammt präsent erlebst, ist in der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar (> zum Blogartikel).

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